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Ratgeber

Produktionssteuerung in Navision/BC: Standard, Lizenz und Grenzen

Von Filip Jacobi, Business Central Entwickler & Berater · veröffentlicht am

Die Produktionssteuerung in Navision bzw. dessen Nachfolger Business Central läuft im Standard über ein vollständiges Fertigungsmodul: Fertigungsstücklisten, Arbeitspläne, Arbeitsplatzgruppen mit Kapazitäten, Fertigungsaufträge und eine Bedarfsplanung (MPS/MRP). Diese Bausteine gab es schon in Microsoft Dynamics NAV, Business Central führt sie unter denselben Begriffen weiter. Die Funktionen sind nur mit der Premium-Lizenz bzw. der Premium-Erfahrung nutzbar. Für typische Serien- und Auftragsfertigung reicht der Standard als Basis, für Maschinendatenerfassung, Feinplanung und branchenspezifische Abläufe braucht ihr meist Extensions oder Add-ons.

Seit 2014 arbeite ich mit Navision und Business Central, und Fertigung ist einer der Bereiche, in denen ich am häufigsten höre: "Das kann BC doch nicht." Oft kann es das doch, es ist nur nicht eingerichtet. Manchmal stimmt es aber auch. Dieser Artikel sortiert, was wohin gehört. Stand: Oktober 2026.

Produktionssteuerung im Standard: was Business Central kann

Der Standard deckt den Weg von der Bedarfsermittlung über den Fertigungsauftrag bis zur Rückmeldung von Verbrauch und Ausstoß ab. Microsoft beschreibt das Modul so: Fertigungsstücklisten (bei Microsoft teils "Produktionsstückliste") definieren die Komponenten, Arbeitspläne die Arbeitsgänge, Arbeitsplatzgruppen und Arbeitsplätze modellieren Kapazität und Kosten, Fertigungsaufträge verbinden alles miteinander (Microsoft Learn: Fertigung).

BausteinWas er im Standard abbildetQuelle
FertigungsstücklisteKomponenten und Unterbaugruppen eines Artikels, auch mehrstufigProduktionsstücklisten erstellen
ArbeitsplanReihenfolge der Arbeitsgänge, Rüst- und Bearbeitungszeiten, Zuordnung zu Arbeitsplatzgruppen oder ArbeitsplätzenArbeitspläne erstellen
Arbeitsplatzgruppe / ArbeitsplatzKapazität, Effizienz, Kalender mit Schichten und Feiertagen, KostensätzeArbeitsplätze einrichten
FertigungsauftragStatus simuliert, geplant, fest geplant, freigegeben, beendet; Material, Arbeitsgänge, AusstoßInfo zu Fertigungsaufträgen
Planung (MPS/MRP)Vorschläge für Fertigungs-, Einkaufs-, Montage- und Umlagerungsaufträge im PlanungsarbeitsblattPlanung
RückmeldungVerbrauch, Ausstoß, Ausschuss und Zeiten über Buchungsblätter, teilweise automatisch per BuchungsmethodeVerbrauch und Istmeldung buchen
FremdarbeitArbeitsgänge an Lieferanten vergeben, Kosten pro Zeit oder StückFremdarbeit

Fertigungsaufträge und ihr Lebenszyklus

Ein Fertigungsauftrag durchläuft feste Status, und den Status ändert ihr nur über die Aktion "Status ändern", nicht per Hand im Feld. Fertigungsaufträge lassen sich manuell anlegen, aus Verkaufsaufträgen erzeugen oder gesammelt über das Planungsarbeitsblatt erstellen. Wichtig für die Praxis: Nur Aufträge aus Planungsarbeitsblatt, Verkaufsauftragsplanung, Auftragsplanung oder der Aktion "Neu planen" werden automatisch zu ihrem Bedarf reserviert und nachverfolgt (Microsoft Learn). Wer Aufträge "nebenher" manuell anlegt, verliert diese Verknüpfung.

Stücklisten und Arbeitspläne

Stückliste und Arbeitsplan sind die Stammdaten, an denen die Qualität der gesamten Produktionssteuerung hängt. Über Arbeitsplanverbindungscodes ordnet ihr Komponenten einzelnen Arbeitsgängen zu. Dadurch wird Material erst dann verbraucht, wenn der jeweilige Arbeitsgang läuft, statt komplett beim Start des Auftrags (Buchungsmethoden pro Arbeitsgang).

Kapazitäten

Business Central plant standardmäßig mit unbegrenzter Kapazität: Arbeitsgänge werden nach Durchlaufzeiten und Reihenfolge eingeplant, Überlastungen einer Ressource sind möglich. Für Engpassressourcen könnt ihr auf begrenzte Kapazität umstellen (Microsoft Learn: Arbeitsplätze einrichten). Die Grundlage dafür sind gepflegte Kalender je Arbeitsplatzgruppe mit Schichten und Fehlzeiten.

Planung

Das Planungsarbeitsblatt berechnet aus Verkaufsaufträgen, Absatzplanung und Stücklistenbedarf einen Beschaffungsvorschlag. Ihr könnt den Hauptproduktionsplan (MPS), die Materialbedarfsplanung (MRP) oder beides ausführen (Microsoft Learn: Planung). Wie gut die Vorschläge sind, hängt fast vollständig an den Planungsparametern auf Artikel- und Lagerhaltungsdatenebene.

Produktionssteuerung aus Navision nach Business Central übernehmen

Die Grundbegriffe aus Navision (Fertigungsauftrag, Fertigungsstückliste, Arbeitsplan, Arbeitsplatzgruppe) findet ihr in Business Central wieder. Was sich ändert, sind die Anpassungen: Fertigungserweiterungen, die in Navision direkt im C/AL-Standardcode programmiert wurden, müssen in Business Central als Extension neu gebaut werden. Gerade in Produktionsbetrieben sind das oft viele kleine Eingriffe in Fertigungsauftrag und Buchungslogik. Wer noch auf einer alten Version arbeitet, sieht in der Übersicht Navision Supportende: alle Versionen, wie lange es noch Support gibt; wie der Umstieg abläuft, beschreibt die Seite Navision-Migration zu Business Central. Begriffe und Geschichte erklärt Was ist Navision?. Wie ich Produktionsbetriebe dabei konkret unterstütze, steht auf der Seite Business Central für die Produktion.

Lizenz: Premium oder Essentials?

Für Fertigung braucht ihr Business Central Premium. Microsoft schreibt dazu, dass die Fertigungsfunktionen nur mit der Premium-Erfahrung verfügbar sind. Die Premium-Erfahrung kann nur von Benutzern mit Premium- oder Testlizenz aktiviert werden, und Benutzer mit Essentials-Lizenz können sich nicht an einem Mandanten anmelden, der die Premium-Erfahrung nutzt (Microsoft Learn: Premium-Funktionen aktivieren).

ThemaEssentialsPremium
Finanzen, Verkauf, Einkauf, Lagerjaja
Fertigung (Fertigungsaufträge, Arbeitspläne, Kapazitäten)neinja
Servicemanagementneinja
Anmeldung an Mandant mit Premium-Erfahrungnicht möglichmöglich

Stand: Oktober 2026. Preise und Lizenzbedingungen ändert Microsoft regelmäßig, prüft den aktuellen Stand vor einer Entscheidung.

Vor dem Premium-Upgrade prüfen: Reicht Montage? Montageaufträge (Montagestücklisten, Auftragsmontage) beschreibt Microsoft ausdrücklich als Weg, Komponenten zu kombinieren, "ohne Fertigungsfunktionen zu verwenden" (Microsoft Learn: Montageverwaltung). Wer nur zusammenbaut, ohne Arbeitsgänge und Kapazitäten zu steuern, sollte vor dem Lizenz-Upgrade prüfen, ob Montage reicht. Das kläre ich mit euch in der Lizenzberatung.

Grenzen der Produktionssteuerung im Standard

Der Standard steuert Aufträge, Material und Kapazität auf Arbeitsgangebene. Was er nicht mitbringt, ist alles, was direkt an der Maschine oder in der Werkhalle passiert. Aus meiner Projekterfahrung sind das die häufigsten Lücken:

  1. Maschinen- und Betriebsdatenerfassung (MDE/BDE): Rückmeldungen laufen im Standard über Buchungsblätter. Eine Anbindung an Terminals, Maschinen oder ein MES ist eine Schnittstelle, die entwickelt oder zugekauft werden muss.
  2. Feinplanung mit Drag-and-drop: Begrenzte Kapazität für Engpässe gibt es, eine grafische Plantafel für die Reihenfolgeplanung an der Maschine bringt der Standard in dieser Form nicht mit.
  3. Rüstoptimierung und Reihenfolge nach Produktmerkmalen: Rüstzeiten pflegt ihr im Arbeitsplan. Eine Reihenfolgebildung nach Farbe, Material oder Werkzeug ist branchenspezifisch und kein Standardverhalten.
  4. Variantenfertigung: Viele Varianten mit regelbasierten Stücklisten führen im Standard schnell zu sehr vielen Artikeln und Stücklisten. Hier sind Konfiguratoren oder eigene Logik üblich.
  5. Branchenspezifische Pflichten: Erweiterte Chargenattribute, Prüfpläne oder Dokumentation für bestimmte Branchen gehen oft über den Standard hinaus.

Fremdarbeit ist ein Grenzfall: Die Grundlagen (Arbeitsplatzgruppe mit Lieferant, Kosten je Zeit oder Stück) sind im Standard enthalten, das Fremdarbeitsarbeitsblatt, Fremdarbeitspreise und die Komponentenbereitstellung kommen über eine von Microsoft veröffentlichte Erweiterung (Microsoft Learn: Fremdarbeit).

Wann Extensions oder Add-ons nötig sind

Eine Erweiterung lohnt sich, wenn ein Prozess regelmäßig vorkommt, im Standard nur mit Excel oder Doppelerfassung lösbar ist und sich nicht durch Einrichtung beheben lässt. Vorher steht immer die Frage, ob der Standard richtig eingerichtet ist.

SituationTypischer Weg
Planungsvorschläge sind unbrauchbarPlanungsparameter, Kalender und Stammdaten prüfen, keine Entwicklung
Verbrauch wird zu spät oder doppelt gebuchtBuchungsmethoden und Arbeitsplanverbindungscodes einrichten
Rückmeldung soll von Maschine oder Terminal kommenSchnittstelle zu MDE/BDE/MES über API
Grafische Feinplanung gewünschtFertiges Add-on aus AppSource prüfen
Eigene Prüfschritte, Zusatzfelder, Sonderlogik im FertigungsauftragEigene AL-Extension

Meine Reihenfolge bei der Entscheidung:

  1. Prozess aufnehmen: Wo entsteht heute Doppelerfassung oder eine Excel-Liste neben BC?
  2. Standard prüfen: Lässt sich das mit Einrichtung, Buchungsmethoden oder Planungsparametern lösen?
  3. Markt prüfen: Gibt es ein gepflegtes Add-on, das den Fall abdeckt?
  4. Erst dann entwickeln: Eine schlanke AL-Extension, die Standardobjekte über Events erweitert statt sie zu ersetzen.

Wie ihr zwischen Standard-Anpassung und Extension abwägt, beschreibe ich ausführlicher im Ratgeber Extension oder Anpassung im Standard. Entwickelte Erweiterungen für die Fertigung setze ich im Rahmen von Business Central Customizing um, angepasst an euren Ablauf und nicht an ein Musterunternehmen.

Beispiel: Ein Betrieb erfasst Ausstoß und Ausschuss auf Papier und trägt beides abends ins Istmeldungs-Buchungsblatt ein. Statt eines großen MES-Projekts kann eine kleine Extension eine vereinfachte Erfassungsseite pro Arbeitsgang bereitstellen, die im Hintergrund dieselben Standardbuchungen ausführt.

Häufige Fragen

Brauche ich für Fertigungsaufträge in Business Central die Premium-Lizenz?

Ja. Microsoft dokumentiert, dass die Fertigungsfunktionen nur mit der Premium-Erfahrung verfügbar sind, und Benutzer mit Essentials-Lizenz können sich nicht an einem Mandanten mit Premium-Erfahrung anmelden. Wenn ihr nur Komponenten zusammenbaut, ohne Arbeitsgänge und Kapazitäten zu steuern, kann die Montageverwaltung eine Alternative sein.

Gab es die Produktionssteuerung schon in Navision?

Ja. Fertigungsaufträge, Fertigungsstücklisten, Arbeitspläne, Arbeitsplatzgruppen und das Planungsarbeitsblatt gab es bereits in Microsoft Dynamics NAV, und ihr findet sie in Business Central unter denselben Begriffen wieder. Anders sind die Anpassungen: Was in Navision direkt im C/AL-Standardcode programmiert wurde, muss in Business Central als AL-Extension neu gebaut werden. Bei einer Migration ist das in Produktionsbetrieben oft der größte Aufwand.

Was ist der Unterschied zwischen Montage und Fertigung in Business Central?

Die Montageverwaltung kombiniert Komponenten über Montagestücklisten zu einem Artikel, laut Microsoft ohne Fertigungsfunktionen zu verwenden, also ohne Arbeitspläne mit Arbeitsgängen und ohne Kapazitätsplanung auf Arbeitsplätzen. Die Fertigung steuert dagegen Fertigungsaufträge mit Arbeitsgängen, Arbeitsplätzen und Kapazitäten und setzt die Premium-Lizenz voraus. Wer nur zusammenbaut, sollte vor einem Lizenz-Upgrade prüfen, ob Montage reicht.

Kann Business Central mit begrenzter Kapazität planen?

Ja, für ausgewählte Ressourcen. Standardmäßig plant Business Central mit unbegrenzter Kapazität, für Engpass-Arbeitsplätze oder Arbeitsplatzgruppen könnt ihr eine begrenzte Kapazität festlegen. Eine grafische Plantafel für die Reihenfolgeplanung ist dagegen kein Standardbestandteil.

Kannst du eine Maschinendatenerfassung an Business Central anbinden?

Ja, das ist eine typische Schnittstellenaufgabe. Rückmeldungen wie Ausstoß, Zeiten oder Ausschuss werden über eine API oder eine AL-Extension in die Standardbuchungsblätter übernommen, sodass die Buchungslogik von Business Central erhalten bleibt.

Lohnt sich ein Add-on oder eine eigene Extension für die Fertigung?

Das hängt davon ab, wie spezifisch der Prozess ist. Für verbreitete Anforderungen wie Feinplanung gibt es fertige Add-ons, für betriebsspezifische Prüfschritte, Zusatzfelder oder Sonderlogik ist eine schlanke eigene Extension oft passender. Vorher prüfe ich aber immer, ob der Standard richtig eingerichtet ist. Das ist oft der günstigste Hebel.

Wann ich helfen kann

Wenn eure Produktionssteuerung in Business Central nicht so läuft, wie sie soll, schaue ich mir Einrichtung, Stammdaten und bestehende Anpassungen an und sage euch, was Einrichtung ist und was Entwicklung braucht. Abgerechnet wird als Festpreis oder nach Aufwand ab 120 €/h, ohne Jahresvertrag. Das Erstgespräch (30 Minuten) ist kostenlos.

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Über mich

Filip Jacobi — Business Central Entwickler & Berater

Freiberuflicher BC-Entwickler und Berater aus Bochum. Ich arbeite direkt mit eurem Fachbereich — ohne Agentur-Overhead, ohne Account-Staffelung. Remote und vor Ort in NRW verfügbar.

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